LISA ELSÄSSER
Die in Bürglen geborene Schriftstellerin lebt seit vielen Jahren in Walenstadt St. Gallen. Der Bezug zu ihren Wurzeln ist jedoch sehr lebendig – das kommt auch in ihrem neuesten Buch zum Ausdruck. Während viele Gedichte und Kurzgeschichten zum ersten Mal erscheinen, enthält der Band auch Lyrik aus früheren Schaffensperioden, die von der grossen Kontinuität ihres Schaffen zeugen. Die Gedichte sind so angeordnet, dass man ihnen folgen kann wie durch ein ganzes Leben, beginnend mit den Kindheitsgedichten, für die neben den Eltern auch die Landschaft des Kantons Uri bestimmend ist, das Schächental und die Reuss. Norbert Hummelt schreibt in seinem Begleitwort: «Es ist die Kunst dieser Gedichte, Lebensmomente festzuhalten, sie einzuwecken wie köstliches Obst, das uns hinter Glas entgegenleuchtet, schön und unberührbar. Immer nah an allem Sinnlichen, ausgelöst von der Augenblickswahrnehmung, stiften sie zum nachdenkenden Mitvollzug an.» Und weiter: «Sobald wir Gedichte lesen, steht die Zeit still. Sie vergeht nicht mehr, sie ist aufgehoben in einem zeitlosen Augenblick, den uns die Worte schenken – Schriftzeichen auf einer weissen Fläche, kurze Verszeilen, manchmal nur eine Handvoll. So tauchen wir ab in ein Gedicht wie dieses: ich sah dich // wie jenen traum / verschwinden // kalt wurde es und / als ich erwachte // lag schnee auf meiner haut. Wo sind wir? Wer bin ich und wer bist du? Was war das für ein Traum und was ist das Andere des Traums – ist es eine ferne Erinnerung an etwas, das schon stattgefunden hat, oder spricht eine Angst, die auf Zukünftiges sich richtet? Die ganze Existenz eines Menschen, ausgespannt zwischen Traum und Wachen, früher, später, drinnen, draussen, Alt und Jung, ist darin als Denkmöglichkeit enthalten. Wir können die Zeit dieses Gedichts nicht messen. Es kommt vielleicht von sehr weit her, doch mag es ein unvorhersehbar kurzer Impuls der Lyrikerin Lisa Elsässer gewesen sein, dies jetzt aufzuschreiben für uns, für jetzt, für möglichst lange Zeit.»
Gedichte, konkrete Poesie und Kurzgeschichten
Nebst Gedichten enthält «Vögel beschriften die Luft» auch Konkrete Poesie – Wortmeditationen, die sich in mehrfacher Richtung lesen lassen, horizontal wie vertikal. Auch Anagramme sind darunter. Den letzten Teil des Buches bilden Kurzgeschichten, in denen die Hitzegrade der Liebe, wie in den Gedichten, eine bedeutende Rolle einnimmt. «Ihr Aufflammen und Nachlassen, all das, was dazwischen lag, die liebgewordenen verblassten Routinen, dann wieder die elektrische Spannung bei einer zufälligen Begegnung alter Bekannter in einem Zug. So, wie das Erzählen, in der Wiedergabe gelebten Lebens, immer auch zu den Gedichten gehört, ist das Lyrische eine Qualität der Kurzgeschichten, die wieder verschiedene Arten aufweisen, zwischen betrachtend und narrativ», schreibt Norbert Hummelt.
Wirkmächtige Sprache
«Lisa Elsässer setzt überraschende Wendungen, unerwartete Bilder, die den Lesenden unmittelbar körperlich umfangen, einnehmen», sagte Hanspeter Müller-Drossaart, der die Buchvernissage im Literaturhaus in Stans moderierte. «Man ist erfüllt vom feingliedrig-blühenden Wortspiel, von dieser wirkmächtigen Sprache. Im dynamischen Wechselspiel zwischen Aufwallung und Gelassenheit gestaltet die Autorin mit klarem, eindringlichem Blick ihre Lebenserfahrung.»
LESUNGEN LISA ELSÄSSER
BAD RAGAGZ, 30. APRIL, 19 UHR (ORT FOLGT)
KANTONSBIBLIOTHEK ALTDORF, 21. MAI 2026, 19 UHR
DENKBAR, ST. GALLEN, 17. SEPTEMBER 2026, 19 UHR
BÜRGLEN URI, HERBST 2026 (ORT UND DATUM FOLGEN)